Im Rosental im Zirbenwald

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“Du wirst mein Auto sehen wenn du die Nockalmstraße hochkommst”, sagt mir Peter Schmölzer. “Hoffentlich klang ich nicht zu klagenfurterisch”, denke ich mir am anderen Ende der Leitung. Aber Peter hatte recht. Nicht weit nach der legendären Reidn 49 (von hier aus gelangt man zur Grubenbauer-Alm) sehe ich seinen waldgrünen Geländewagen. Und als ich den verräterischen Benzinkanister (für die Motorsäge) neben dem Auto stehen sehe bin ich mir ganz sicher. Nicht weit von hier würde ich Peter treffen, der mir versprochen hat, mich in die Geheimnisse des Zirbenwaldes einzuführen. Großartig anpirschen muss ich mich nicht. Peter ist gerade beim Entasten einer riesigen Zirbe und seine Motorsäge so laut, dass er rund um sich nichts mitbekommt. Erst einige Zeit später nimmt er mich wahr, stellt sein “Fichtenmoped” auf Leerlauf und klappt das Visier hoch. Er lächelt ungläubig, dass ich so einfach in den Wald gefahren bin.

Smiling

Die Waldarbeit ist sehr gefährlich. Nicht immer fällt der Baum in die vorgesehene Richtung. Auch kann er sich im unwegsamen Gelände verkeilen oder ins Rollen geraten. Ich weiß das weil ich Zeitung lese. Aber dabei zu sein wenn ein Baum fällt, das ist schon eine andere Sache. “Pass auf”, sagt Peter, bevor er zum finalen Schnitt ansetzt. Passiert ist nichts, zu viel Erfahrung bringt der Waldbauer mit. “Zwanzig Jahre und mehr”, sagt er schmunzelnd. Da sitzt sozusagen jeder Schnitt. Bevor es aber so weit ist, wird die Zirbe genauestens ausgesucht, ihre Fallrichtung eingeschätzt und überlegt, von welcher Seite aus man sich am besten hinstellt. Schließlich ist es steil hier im Wald.

Infight

Und in den wenigen Pausen, während denen die Motorsäge kaum mal abgeschaltet ist, erfährt der staunende Städter eine ganze Menge über das Zirbenholz und über die Region. Dass er sich im Rosental befindet, beispielsweise. So heißt nämlich nicht nur ein ganzes Tal in Südkärnten, nein, so heißt auch ein Waldstrich entlang der Nockalmstraße. Einer, in dem man übrigens die größten Zirbenbestände Mitteleuropas findet, mitten im Nationalpark Nockberge. Nur wissen muss man das halt alles!
Aber es ist nicht viel Zeit, schließlich kann die Zirbe nur noch wenige Tage lang “gehackt” werden, da sie sich sonst “im Saft” befindet. Ist dies der Fall, habe ich mir erklären lassen, wächst der Baum. Und während dieser Zeit des Wachstums – üblicherweise während der Sommermonate – haben die Zirben sozusagen Schonzeit wie die Fische von Siegfried Gruber, der nicht weit von hier zu Hause ist. Fällt man die Bäume während dieser Zeit, führt dies zu einer blauen Verfärbung des sonst so rötlichen Zirbenholzes. Der Baum würde dadurch wertlos.

Zirbenwald Nockalmstraße

Am Weg nach Hause bin ich auf besondere Weise fokussiert. Holz, überall sehe ich Holz! An der Ortseinfahrt von Ebene Reichenau riesige Holzstapel, im Ort selbst zahlreiche Häuser mit Holzvertäfelung, wenige Kilometer weiter der holzverarbeitende Betrieb Leeb Balkone. Von den ganzen Sägewerken an denen man entlang der Strecke vorbeikommt gar nicht erst zu sprechen. Schön zu wissen, wo ein Teil des hier verwendeten und verarbeiteten Holzes her ist.


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